Ortsverband besichtigt Energiezentrale auf der Überseeinsel – Flusswasser-Wärmepumpe und „Klimaturm“ liefern Impulse für die kommunale Wärmeplanung in Verden
VERDEN. Mitglieder des Grünen Ortsverbands Verden haben die Energiezentrale auf der Bremer Überseeinsel besucht und sich vor Ort über innovative Konzepte zur erneuerbaren Wärmeversorgung informiert, die auch für Verden interessant sein könnten.
Im Mittelpunkt der Besichtigung stand zunächst die Flusswasser- Wärmepumpe, mit der auf der Überseeinsel Wärme aus dem Wasser der Weser gewonnen wird. Die von der Stadt.Energie.Speicher GmbH betriebene Anlage kombiniert eine strombetriebene 5-Megawatt-Flusswasser-Wärmepumpe mit großem Wärmespeicher, einem Power-to-Heat-Modul mit 1 Megawatt Leistung , einem Vakuum-Flüssigeis-Erzeuger sowie einem Nahwärme- und Kältenetz. Über dieses Netz wird ein ganzes Quartier in der Überseestadt sowohl beheizt als auch – im Sommer – gekühlt. Das Konzept wurde von der Deutschen Energie-Agentur (dena) mit dem Energy Efficiency Award 2025 ausgezeichnet.
„Beeindruckend war vor allem, wie intelligent hier Angebot und Nachfrage zusammengeführt werden“, sagt Rasmus Grobe, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Rat der Stadt Verden. „Die Anlage produziert Wärme bevorzugt dann, wenn Sonne und Wind viel Strom liefern, und speichert sie für den Bedarfsfall. Das ist genau die Art von intelligenter, sektorübergreifender Energieplanung, die wir uns auch für Verden wünschen.“ Allerdings sei die Bremer Anlage in dieser Größenordnung nicht eins zu eins übertragbar. Dennoch lohne sich der Blick auf das technische Prinzip, gerade mit Blick auf Verdens Lage am Fluss.
Der „Klimaturm“: kompakte Alternative für dicht bebaute Quartiere
Mindestens ebenso spannend war für die Verdener Delegation eine weitere Station des Rundgangs: der sogenannte „Klimaturm“ des Bremer Unternehmens Towergy, der erst Ende Juni 2026 auf der Überseeinsel in Betrieb genommen wurde. Anders als die Flusswasser- Wärmepumpe handelt es sich dabei um eine Luft-Wasser-Großwärmepumpe, die je nach Ausführung zwischen 0,3 und 1,5 Megawatt Leistung skaliert werden kann. Ein einzelner Klimaturm kann damit einen Häuserblock oder Teile eines Quartiers – bis zu 400 Neubau- beziehungsweise 200 Bestandswohnungen – mit Wärme und Kälte versorgen. Bemerkenswert ist dabei der geringe Platzbedarf: Mehr als zwei Parkplätze braucht die elf bis 14 Meter hohe Anlage nicht, die sich zudem durch niedrige Geräuschemissionen auszeichnet. Mehrere Klimatürme lassen sich zudem miteinander vernetzen und bilden so eine Alternative zu einer zentralen Großwärmepumpe – mit dem Vorteil, dass die notwendigen Leitungen kleiner dimensioniert werden können.
„Für Verden könnte das vor allem dort interessant sein, wo eine große zentrale Lösung nicht sinnvoll oder realistisch umsetzbar ist – etwa in der Innenstadt oder in Quartieren mit dichter Reihenhausbebauung“, erklärt Mark Weigel, Grünen-Mitglied und beruflich selbst in der Energiebranche tätig. „Der Charme des Klimaturms liegt in seiner Modularität: Man kann klein anfangen und bei Bedarf weitere Türme ergänzen, ohne gleich ein komplettes Fernwärmenetz bauen zu müssen.“
Impulse für die laufende Wärmeplanung:
Die Grünen betonen, dass sie den laufenden Machbarkeitsstudien im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung nicht vorgreifen wollen. „Es ist Aufgabe der Wärmeplanung, für jedes Verdener Quartier die technisch und wirtschaftlich sinnvollste Lösung zu finden. Aber es hilft, wenn wir als Kommunalpolitik wissen, welche technischen Optionen es inzwischen gibt – von der großen Flusswasser-Wärmepumpe bis zum kompakten, vernetzbaren Klimaturm.“ Die Grünen wollen die in Bremen gewonnenen Eindrücke in die weitere politische Begleitung der Wärmewende in Verden einbringen.
© Klimaturm: Mark Weigel