Verden. Die Tage der alten Südbrücke sind gezählt. Die neue Brücke soll dann zweispurig werden – die dadurch vermeintlich schnellere Verbindung zwischen Hönisch und Innenstadt kann aber Folgen für den Verkehr in der Innenstadt haben. Die Grüne Stadtratsfraktion fordert daher in einem Ratsantrag eine zukunftsorientierte Planung.
“Die alte Brücke hat derzeit mit ihrer Einspurigkeit und der Ampelschaltung für den Autoverkehr einen regulierenden Effekt,” erläutert Fraktionsvorsitzender Rasmus Grobe die Überlegungen der Grünen. “Die neue Brücke könnte zu einer Zunahme des Durchgangsverkehrs für die Innenstadt führen,” so Grobe. Die historische Altstadt sei dafür nicht ausgelegt. Daher sollte das erst vor Kurzem beschlossene Mobilitätskonzept durch eine präzisierende Fachplanung für die Innenstadt ergänzt werden, die insbesondere zukunftsfähige Lösungen für den fließenden Verkehr betrachtet, so der Vorschlag der Grünen. Dies sollte unter der ausdrücklichen Zielsetzung erfolgen, die Aufenthaltsqualität der Innenstadt weiter zu erhöhen und folglich das Verkehrsaufkommen aus Auto-Durchgangsverkehr zu begrenzen und in bestmöglicher Form zu lenken.
Die Grünen verweisen darauf, dass insbesondere im Stadtentwicklungskonzept, im Mobilitätskonzept, im gerade in Aktualisierung befindlichen Radverkehrsförderkonzept, im Masterplan Innenstadt und bei den Planungen für die Neugestaltung Lugenstein und Anita-Augspurg-Platz bereits Vorschläge für den Innenstadtverkehr enthalten sind. Was fehle, sei die konsequente Zusammenführung der Maßnahmen und Ziele der bisherigen Konzepte. Außerdem müssten bestehende Verkehrsregelungen und bekannte Konfliktsituationen berücksichtigt werden: “An mehreren Stellen gibt es Engstellen und Konfliktpotential insbesondere mit Fußgänger*innen und Radfahrenden,” erinnert Grünen-Ratsmitglied Johanna König. “Gerade haben wir im Rat beschlossen, dass der Lugenstein hinsichtlich Aufenthaltsqualität und Klimaanpassung weiter aufgewertet werden soll,” so König. Bereits jetzt sei der Lugenstein stark befahren und das Passieren – trotz Fußgängerzone – für Fußgänger*innen zu manchen Tageszeiten problematisch. Ferner seien die Herrlichkeit, Ostertorstraße und Stifthofstraße ausgewiesene Fahrradstraßen /- zonen mit Zwei-Richtungs Befahrung, bei denen es bereits jetzt zu konflikthaften Situationen mit Autofahrenden kommt – die Obere Straße ist sogar teilweise nur für Anliegerverkehr ferigegeben. Fraktionsvorsitzender Grobe stellt klar: “Wir sorgen uns wegen einer Zunahme des Auto-Durchgangsverkehrs.” Gemeint sei damit ausdrücklich nicht die grundsätzliche Erreichbarkeit der Innenstadt zum Zweck von Einkaufen, Freizeitgestaltung etc.
In ihrem Antrag greifen die Grünen außerdem eine Idee aus dem Mobilitätskonzept auf: Dort wird als Pilotprojekt ein “Umsteigepunkt” während der Bauphase der neuen Brücke vorgeschlagen: In Hönisch könnte ein provisorischer Park&Ride-Parkplatz erprobt werden für den Weg in die Innenstadt zu Fuß, mit dem Fahrrad oder einem Shuttlebus. Bei Erfolg könnte daraus eine dauerhafte Lösung zur (Auto-)Verkehrsvermeidung bzw. Verkehrsträgerverlagerung entstehen. Dieses Projekt müsste allerdings bei vertretbarem Aufwand geplant werden. Die Grünen bitten daher die Verwaltung um entsprechende Vorbereitung.
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